Neuer Partner - kurzes Glück
Zu diesem Artikel gibt es ein Schreiben eines Anwalts (16.04.2008) und eine zugehörige Antwort Bodo Ramelows (17.04.2008)
Auch ein neuer Partner ist noch keine Gewähr für dauerhafte Zweisamkeit. Im Falle des Einkaufs der Immoprima AG mit Sitz in Herleshausen in die mit mehr als 3000 Wohnungen größte Eisenacher Hausverwaltung pro domo dauerte es kein Jahr, bis die Partner wieder voneinander schieden.
Zur Erinnerung: Im Oktober 2006 hatte die Holdinggesellschaft Immoprima bei der pro domo den Anteil von Andreas Neumann, einem der beiden langjährigen Gesellschafter, erworben. Noch Mitte August 2007 klopfte sich Immoprima-Vorstand Klaus Grimm dafür gegenüber der TLZ in einem Gespräch auf die Schulter. Tenor: Mit der pro domo habe man einen Partner gefunden, der Anerkennung genieße und geschäftlich kerngesund sei (TLZ berichtete am 17. August 2007). Zu dieser Zeit muss nach Lage der Dinge aber schon lange klar gewesen sein, dass die Immoprima sich genauso schnell, wie sie sich einkaufte, wieder auskauft. Denn bereits am 28. August 2007 tauchen in einer Niederschrift über einen Gesellschafterbeschluss der pro domo Hausverwaltung mbH als alleinige Gesellschafter der verbliebene Gesellschafter Rainer W. und dessen Ehefrau G. als neue Gesellschafterin auf.
Immoprima - das war einmal. In zehn Tagen allerdings kann man einen solch plötzlichen Sinneswandel mit allen geschäftlichen Formalitäten nicht erledigen.
Der Immoprima-Rückzug erfolgte dennoch nicht komplett. Immerhin durfte bei der pro domo die Prokuristin A. M. einsteigen und verbleiben, die viele Jahre für die zur Immoprima AG gehörende Primat Hausverwaltung GmbH tätig war.
Von der Primat, einst Aufsteiger auf dem Eisenacher Hausverwaltungsmarkt, hat sich die Immoprima AG Ende 2006 getrennt. Die Primat firmiert seit August 2007 unter dem Namen G & A-Hausverwaltung GmbH in Erfurt. Erst vor wenigen Tagen interessierte sich die Staatsanwaltschaft Mühlhausen für die Primat-Hinterlassenschaft an den letzten Geschäftsadressen in der Eisenacher Nebestraße und in der Wartburgallee (TLZ berichtete)
Kaution schuldig
An die Staatsanwaltschaft schickte gestern auch die Eisenacher Familie Stieler Unterlagen, die beweisen sollen, dass ihnen die Primat die Summe von rund 1000 Euro schuldet, hinterlegt auf einem Kautionssparbuch. Die Familie wohnte vor Jahren in einer von der Primat verwalteten Wohnung und bekam ihre Kaution beim Umzug bislang nicht zurück. Seit dem Juli 2007 liege ihr ein Gerichtsurteil vor, wonach die Primat das Geld zu zahlen habe, berichtete Birgit Stieler der TLZ. Der letzte Primat-Geschäftsführer Sirko G. habe jedoch auf Anfragen der Familie nicht reagiert, der Gerichtsvollzieher bislang vergeblich an die einstigen Primat-Türen geklopft.
Dass sich die Primat umbenannt hat, weiß Familie Stieler mittlerweile, wohin sie sich mit ihren Ansprüchen wenden soll, jedoch nicht. Dass sie ihrem Geld hinterherläuft und keine Reaktion erfolgt, ist für Birgit Stieler Beleg dafür, “dass die Firma Dreck am Stecken hat”.
Er sei von der Sache nicht betroffen, hatte sich Immoprima-Vorstandsvorsitzender Christian Köckert nach dem Besuch des Staatsanwaltes bei der ehemaligen Primat gegenüber der TLZ geäußert.
Richtig ist: Die Untersuchungen betrafen ihn nicht.
Falsch ist jedoch, dass der Immoprima-Kopf behauptet, er sei am operativen Geschäft seiner Firmen nicht beteiligt. So wird Immoprima-Vorstandsvorsitzender Christian Köckert beispielsweise am 12. November 2005 als Vertreter der Primat-Hausverwaltung in einem Protokoll der Eigentümergesellschaft der historischen BMW-Siedlung aufgeführt. Die Sitzung fand von 10 bis 16.30 Uhr im Stedtfelder Courtyard by Mariott Hotel statt. Einen Tag später erscheint er wieder im Protokoll der selben Eigentümergesellschaft, die erneut - diesmal von 10 bis 17.12 Uhr - im Mariott tagte, und äußert sich sehr kundig über Primat-Streitigkeiten mit einer Firma namens Vivacon AG, die bis ins Jahr 2003 zurückreichen.
Doch nicht nur die Primat ist mittlerweile Geschichte für die Immoprima. Sie hat sich der meisten ihrer Firmen entledigt und scheint nur noch eine - fast - leere Hülle zu sein.
Sie trennte sich beispielsweise von der S-H-G Sendlbeck Hausverwaltungsgesellschaft mbH mit Sitz in München. Als die Immoprima dort einstieg, lud sie noch schick ins Hotel ein. Doch die Geschäftsbeziehungen zum ehemaligen Eigentümer Hötzinger kühlten sich schnell ab. Der alte Herr bekam nach eigenen Angaben nur 250 000 Euro vom vereinbarten Kaufpreis in Höhe von 400 000 Euro gezahlt. Über den Rest streitet er sich ( - geschwärzt - ) vor Gericht.
Nach Angaben von Klaus Grimm wurde der komplette Kaufpreis nicht gezahlt, weil der ehemalige S-H-G-Geschäftsführer zum Zeitpunkt des Verkaufs verschwiegen haben soll, dass Häuser aus dem Verwaltungsbestand seiner Firma herausgehen.
Zum Schluss waren die Geschäftsanteile der 30 Jahre am bayerischen Markt erfolgreichen Münchner Firma in Thüringen nur noch ( - geschwärzt - ) Euro bzw. ( - geschwärzt - ) Euro wert. Sie wurde für diese Summen von der Primat und der Immoprima im August 2007 an die ehemalige ( - geschwärzt - )Universal-Geschäftsführerin M. R( - geschwärzt - ) abgetreten.
Die einstige Immoprima-Firma Verwaltungsgesellschaft Gartenstadt mbH mit Sitz in Plauen ist an den ehemaligen Primat-Mitarbeiter Bernd A. aus Eisenach veräußert worden. Und die in Plauen wohnende ehemalige Primat-Mitarbeiterin Angelika z.H. ist zur alleinigen Gesellschafterin der Immoprima-Firma Fortuna Hausverwaltung GmbH weit weg von Plauen - in Hannover - geworden.
Christian Köckert hat den Trend der Immoprima, sich ihrer alten Firmen zu entledigen, bestätigt. Was jedoch macht man mit einer Holding ohne Firmen? Darüber möchte er nichts sagen, um das neue Geschäftskonzept der Immoprima nicht zu gefährden.
Mittlerweile ist der CDU-Landtagsabgeordnete als Geschäftsführer in die EA-Coaching und Assekuranz GmbH eingestiegen (TLZ berichtete), die als EA-Coaching von Heike Bahn-Schultz geführt wurde, die wiederum dem in Eisenach bekannten Wirtschaftsverbund Osteuropa e.V. vorsitzt. Der Verein, der gute Kontakte in Eisenachs weißrussische Partnerstadt Mogilew pflegt, verweist auf seiner Internetseite auf die EA Coaching & Assekuranz als Partner.
Neue Felder?
Die EA widmet sich dem Unternehmenscoaching, bietet Schulungsveranstaltungen, Arbeitsvermittlung und die Vermittlung von Versicherungen und Bausparverträgen an. Und dann gibt es Christian Köckert ja noch als Geschäftsführer der Signum Beratung/Verwaltung GmbH in Erfurt.
Liegen dort die neuen Geschäftsfelder der Immoprima? Das vermutet zumindest ein Insider. Nachdem die zum Teil bankfinanzierten teuer eingekauften Immoprima-Firmen mit hohen Verlusten an ehemalige Mitarbeiter veräußert wurden, könnte sich ja eine gut informierte Beratergesellschaft bei ihnen melden und für viel Geld beratend tätig werden.
Das jedoch ist die reine Spekulation.Nicht einmal ein Jahr währte die hochgelobte Partnerschaft: Bei der pro domo in Eisenach hat die Immoprima nun nichts mehr zu sagen.
Thüringische Landeszeitung / von Rita Specht