42, oder wie ich lernte, die Weisheit der Computer zu lieben!
42 ist die ultimative Antwort aller Antworten.
42 ist die einzige Antwort aller Antworten und damit auch das Ausrufezeichen hinter jeder Frage aller Fragen.
Der britische Autor Douglas Adams lässt in seiner genialen Satire „Per Anhalter durch die Galaxis“, einer wunderschönen poetischen Beschreibung der Reisen durch Zeit und Raum, durchs Universum und alle Galaxien, seine Romanfiguren den großen Computer, also die Mutter aller Computer, befragen. Dieser Computer ist in seinen Speicherkapazitäten und seiner Rechenfähigkeit größer als die Computer der CIA, des amerikanischen Militärs, von Amazon.de und Walmart zusammen. Millionen von indischen Programmierern können nicht so viel Software bereitstellen, um diesem Mastercomputer aller Computer in Douglas Adams literarischem Vermächtnis (er starb 2001, gerade 51jährig) mit seiner phantastischen Rechenleistung Paroli bieten zu können. Dieser Computer also gibt auf die Frage „nach dem Leben, dem Universum und allem“ die Antwort 42.
Wenn man nun diese Zahl 42 auf das Alphabet überträgt, kommt man auf eine ähnlich faszinierende Antwort, nämlich DB (für Leser ohne Hang zu numerologischen Experimenten: DB - der vierte und zweite Buchstabe des deutschen Alphabets). DB? Da war doch was. Eine Institution, bei der man lernt, auf Gott zu vertrauen. Eine Institution, die einen dazu bringt, gläubig an den Fahrplan zu denken und gleichzeitig die Hoffnung nie aufzugeben, dass der Zug einmal pünktlich ist, dass man auch ein Plätzchen hat und dass man irgendwie wirklich von A nach B transportiert wird. Während also die Helden von Douglas Adams durch Zeit und Raum eilen, um die Wahrheit aller Wahrheiten zu finden und zwischendurch einen Imbiss im Restaurant am Ende des Universums zu nehmen, irrt der Mensch auf Bahnhöfen herum, in Gottvertrauen oder wenigstens in großer Hoffnung, ebensolche Abenteuer zu bestehen, zumindest jedoch bis zum Restaurant am Ende des Bahnhofs zu kommen (wenn es noch eines gibt).
Der geneigt Leser wird sich fragen, was hat dies alles mit Glauben und mit Gott zu tun?
Und meine Antwort lautet am Anfang wie auch am Ende einfach nur: 42!
So wie man staunend meine seltsamen Betrachtungen über Gott in Verbindung mit der Zahl 42 zur Kenntnis nimmt, so hat meine Partei PDS mich immer als bekennenden Christen bestaunt. Im Thüringer Landtag hatte ich 1999 in das Abgeordneten-Handbuch als Glaubensbekenntnis Protestant eingetragen. Dies führte dazu, dass zumindest die Pförtner des Hohen Hauses darüber grübelten, ob vielleicht meine vorherige Tätigkeit als Gewerkschaftsfunktionär mit den ständigen Protestaktionen etwas mit diesem für sie seltsamen Eintrag zu tun hatte. Ich ahnte, die Kenntnis über das Protestantentum war zumindest während der letzten Jahrzehnten in den heutigen neuen Bundesländern ziemlich verloren gegangen.
Einer meiner engsten Mitarbeiter ist in Schmalkalden geboren und lernte erst über meine Tätigkeit in Berlin als religionspolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag etwas über den Schmalkalder Bund und die Entwicklung des Protestantismus. Über wichtige Fragen der kirchlichen Geschichte, eine Geschichte von 2000-jähriger Spaltung. Also etwas, was uns LINKEN durchaus vertraut ist, nur dass wir noch nicht so viel Zeit hatten, um uns derart zu diversifizieren. Ob evangelisch-lutherisch oder altkatholisch, ob mennonitisch, protestantisch, lutheranisch, kalvinistisch oder römisch-katholisch, ob griechisch- oder russisch-orthodox, immer bleibt die Frage, ist es der Glaube an Gott, der hier unterschiedlich ist oder ist es nur die Interpretation des Gottes?
Ich biete in solchen Fragen immer eine zweigeteilte Antwort. Die eine ist das Wort, die schriftliche Überlieferung in der Bibel sowie in allen abrahamitischen Texten, die Eingang gefunden haben ins Judentum, ins Christentum, bei den Muslimen und die sich speisen aus Erfahrungen der Menschen, die so tiefgehend waren, dass sie irgendwann aufgeschrieben wurden. Ob man Evas Rippe wörtlich betrachten sollte, wage ich doch sehr zu bezweifeln; aber ob es den brennenden Busch, die sieben Plagen oder auch die Wüstenerfahrungen von Jesus Christus während seiner großen Fastenzeit gegeben hat, darf man durchaus bejahen. Man kann diese Texte als universelles, ethisches Grundgerüst der Menschheit betrachten und darf deshalb den Kopf über das kleine Gezänk der Kirchen schütteln, ob Gott nun groß, klein, grün, gelb, weiß, blau oder rot sei. Worüber man sicherlich nicht streiten kann, ist die Erfahrung im Glauben. Das Wort Glauben heißt nach meinem Dafürhalten eben Nichtwissen. Das Gewissen wiederum, das mit dem Glauben mehr als nur das gemeinsame G am Anfang gemeinsam hat, ist für den Menschen der Maßstab seines ethischen Handelns, wenn es auf einem Wertefundament aufbaut. Insoweit lohnt sich für mich immer noch und immer wieder ein Blick in die Bibel.
Eine aktuelle Antwort auf die Weltfinanzmarktkrise kann man eben in der Bibel finden. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Philipper: „Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre Willen, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem Anderen dient.“
( Philipper 2, 3)
Welch ein revolutionärer ethisch-philosophischer Satz! Man soll nichts aus Eigennutz und nichts um eitler Ehre Willen tun, sondern in Demut den anderen höher achten als sich selbst. Man soll nicht auf das Seine, sondern auf das achten, was dem Anderen dient. Ein Mehrwert für die Gemeinschaft ist der Kern der Botschaft und das ist eine umfassende Absage an die hochindividuelle höchstpersönliche Gier, die den Menschen innewohnt. Dieser Satz, 2000 Jahre alt, zeigt, dass die Frage der Einordnung der Gier in moralische Minimalanforderungen offenbar in jeder Gesellschaftsform akut war. Sonst hätte Paulus diese mahnenden Worte an die Gemeinde in Philippi nicht schreiben müssen.
Aber es finden sich in den abrahamitischen Texten auch klare Aussagen zum Zinsverbot. Alle Weltreligionen kennen eigentlich die Verpflichtung zum Zinsverbot. Doch im Verlauf der gegenseitigen Durchdringung von weltlicher und kirchlicher Macht verkam das Zinsverbot immer mehr zur Nützlichkeitsrechtfertigung. Aktuell würde es sich lohnen, das islamische Zinsverbot und das „Islambanking“ mit ethischem Bankbetrieb zu vergleichen. Es wird ja nicht wirklich auf Einnahmen verzichtet, aber die Einnahmen orientieren sich an dem Mehrwert desjenigen, der das ausgeliehene Geld benutzt, also einen Nutzen hat; von diesem Nutzen wird ein Teil zurückgezahlt, ein Preis für das Nutzungsrecht. Die Hinwendung zur reinen Zinslogik hat den Aufstieg des Geldes zum biblischen goldenen Kalb erst ermöglicht. Geld ist seitdem nicht mehr nur ein Tauschobjekt. Geld ist mittlerweile in Kombination mit Gier zum Macht- und zum Glaubensersatz mutiert. Nun tanzen sie fasziniert ums goldene Kalb und sind irritiert, wenn ihre Börsenwerte zerplatzen und das werden, was sie sind - nur Scheinwerte.
Hier lohnt wiederum ein Blick in die abrahamitischen Texte, um zu erkennen, dass dieser Spannungsbogen immer schon da war - aber durch die Brutalität der Moderne ist er im wahrsten Sinne des Wortes so hoch gerüstet wie nie.
Revolutionär ist dagegen Jesus von Nazareth in seiner Bergpredigt. „Selig sind die Friedfertigen“, dass funktioniert nur, wenn es umfassend gelebt wird. Von Jesus Christus bis Mahatma Ghandi ist es da nicht mehr weit. Mit einer schlichten menschlichen Geste weltliche Macht zum Einsturz zu bringen, heißt, einen großen Glauben in sich zu tragen. Dies ist eine Absage an das alttestamentarische „Auge um Auge“, denn gegen Macht muss man Mut, Menschlichkeit und eine humanistische Idee setzen. Es wäre lohnenswert, aus all diesen Quellen die Kraft zu sammeln, um den Weltethos zu erkennen. Es könnten dann die Gläubigen, die Nichtglaubenden und auch die bekennenden Atheisten sein, die sich der gleichen humanitären Idee verschrieben sehen. Es wäre aber der Mut zur Toleranz nötig, den Andersglaubenden immer noch als Glaubenden zu erkennen, zu akzeptieren und zu tolerieren.
Glauben allerdings an eine höhere Instanz, an etwas, das wir nicht fassen und schon gar nicht interpretieren können, das aber untersetzt ist mit Fügungen, mit
Unvorhergesehenem und trotzdem gepaart mit der Gewissheit, dass zwischen dem Anfang und dem Ende eines Lebens noch etwas stattfindet, was häufig nur zu ertragen ist, wenn Hoffnung dazu kommt. Wie soll man sich den positiven und hoffnungsvollen Text Dietrich Bonhoeffers im KZ deuten angesichts des sicheren Todes, wenn es bei ihm nicht eine Gewissheit im Glauben gegeben hätte? Ähnliches durchzieht den jüdischen und den islamischen Glauben. Lassen wir uns nicht verunsichern von dem, was man politisch den „Ismus“ nennt. Fundamentalismus in jedweder Form führt zu Intoleranz, Denkverboten und zu einer befehlenden Form, die sich mit Glauben überhaupt nicht vereinbart. Glauben ist freiwillig und Glauben ist eine höchst persönliche Angelegenheit. Für mich gibt es unterschiedliche Erfahrungszusammenhänge mit Gläubigen. Ich glaube auch, dass untergegangene Staatsformen, die sich atheistisch nannten, schwer geprägt und durchsetzt waren von dem Glauben an die wissenschaftliche Erkenntnis über einen kollektiven Weg zum Glücklichwerden. Dies halte ich an sich doch für sehr zweifelhaft, aber es war eben ein kollektiver Glaube, häufig verordnet und teilweise auf Zwang beruhend.
Deshalb kann ich nichts anfangen mit Fundamentalisten, die Wissensfragen mit Glaubensdogmen erschlagen und zum Schluss behaupten, im Namen von Marx oder Markt, von Gott, Javeh oder Allah könne man Mord und Todschlag rechtfertigen. Hier wird der Glauben für Machtpolitik missbraucht.
Für mich ist Glauben nur individuell, nur persönlich und basierend auf eigener Erfahrung.
Deshalb halte ich es mit Douglas Adams und akzeptiere jeden, der 42 für die wahre Antwort auf alle Fragen oder die Deutsche Bahn für die ultimative Antwort auf jedes Wetter hält.
Ich will festhalten an meinem Glauben, an meinen Erfahrungen mit der Deutschen Bahn und sage: 42!
Inshallah